Pflege- und Dienstverständnis

In der Mitte der 90er Jahre wurde in unserer Schwesternschaft das hier vorliegende Pflege- und Dienstverständnis erarbeitet. Es gehört inzwischen in die Reihe unserer Druckschriften, in denen wir unseren Auftrag, die Grundlagen für unsere Gemeinschaft und für unseren Dienst beschreiben.

Das Pflege- und Dienstverständnis entstand aus dem Bedürfnis nach einer Orientierungshilfe für die einzelne Schwester in ihrer jeweiligen Arbeitssituation. Es will eine Leitlinie für eine Pflege und für eine Dienstauffassung nach dem christlichen Menschenbild sein. Dabei soll das Gespräch mit den Mitschwestern und -pflegern angeregt werden. Im Dialog über das Pflegeverständnis wird sich herausstellen, dass sich gemeinsam vieles verwirklichen lässt und dass scheinbar Unerreichbares vielleicht durch andere oder woanders doch gelingt.

Die Orientierung an unserem Pflege- und Dienstverständnis ist auch bedeutungsvoll für das Gelingen einer umfassenden diakonischen und fachlichen Ausbildung. Wenn es gelingt, die Leitlinie in unsere tägliche Arbeit einfließen zu lassen und die Auszubildenden auf diesem Wege mitzunehmen, werden wir unserem Auftrag einer christlich geprägten Pflege und Ausbildung gerecht.

Das Pflege- und Dienstverständnis geben wir allen Diakonieschwestern, den Auszubildenden und den Schwestern und Pflegern im Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e. V. in die Hand. Immer wenn es nachgelesen oder diskutiert wird, sollten die Gedanken dazu am Rand notiert werden. Wir wollen daran denken, das Gespräch und den Austausch darüber in der ganzen Schwesternschaft fortzusetzen.

Das Pflege- und Dienstverständnis begleite Ihre Wege und Ihren Dienst. Wir wünschen Ihnen dazu Gottes Segen


Ihre Ellen Muxfeldt,
Oberin im Vorstand des
Ev. Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e. V.
Elsbeth Kansteiner
Oberin – Vorsitzende des Hauptschwesternrates


Das Pflege- und Dienstverständnis
der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e. V.


Die Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf e. V. ist eine evangelische Gemeinschaft von Frauen, die Leben und Beruf als Diakonie im Auftrag Jesu Christi versteht.

Das vollzieht sich in der Arbeit und Zuwendung an Kranken und Hilfebedürftigen, in der Dienst- und Lebensgemeinschaft und in der Anleitung und Begleitung junger Menschen.


(Präambel der Ordnung der Schwesternschaft § 1.1)

Um diesen Auftrag erfüllen zu können, ist das Evangelium die Grundlage unseres Lebens im Tun und Lassen.

Durch unseren Glauben leben wir aus der Kraft der Liebe Gottes und aus seiner Vergebung. Das befähigt uns zu diakonischem Handeln und gibt unserem Pflege- und Dienstverständnis folgende Ausrichtung:


1. Unser Menschenbild

Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes und steht in Beziehung zu ihm. In Christus hat Gott sich allen Menschen zugewandt. Darin besteht die Würde des Menschen. Sie ist unverlierbar und zu achten.

Das bedeutet:

• Wir setzen uns dafür ein, dass der Mensch seine Beziehung zu Gott erkennen und sich seiner Würde bewusst werden kann.
• Wir achten den Menschen unabhängig von seiner Biographie, Nationalität, Religion/Weltanschauung und seinem individuellen Lebensstil.
• Wir berücksichtigen seine Bedürfnisse und Fähigkeiten, sein Recht auf eigene Entscheidung und Selbständigkeit und sein soziales Umfeld.
• Wir tragen Mitverantwortung für soziale, politische, ökologische und wirtschaftliche Verhältnisse der Menschen.


2. Unser Pflegeleitbild

Menschliches Leben liegt vom Anfang bis zum Ende und über den Tod hinaus in Gottes Hand. Aus dieser Sicht können wir alles Leben uneingeschränkt bejahen. Pflege ist deshalb Lebenshilfe in Gesundheit, Krankheit, Behinderung und im Sterben.

Das bedeutet:

• Wir stehen in der Pflege durch wechselseitiges Geben und Nehmen in Beziehung zu Kranken und Hilfebedürftigen.
• Wir helfen dem Menschen bei der Bewahrung oder Wiedererlangung seiner Fähigkeiten.
• Wir sorgen für die notwendigen äußeren Bedingungen, die eine möglichst hohe Lebensqualität gewährleisten.
• Wir unterstützen ihn bei der Bewältigung seiner Einschränkungen, damit er seine Lebensrealität akzeptieren oder sein Sterben annehmen kann.
• Wir schaffen eine Atmosphäre, in der auch Angehörige und Bezugspersonen sich jederzeit positiv aufgenommen und aktiv einbezogen fühlen.


3. Unsere Bildungsarbeit

Zu unserem Selbstverständnis gehört die diakonisch geprägte Bildung in der Schwesternschaft. In der Aus-, Fort- und Weiterbildung fördern wir die diakonische, fachliche, ethische und soziale Kompetenz der Pflegenden und unterstützen individuelle Begabungen.

Das bedeutet:

• Wir sorgen für eine Aus-, Fort- und Weiterbildung, die den gesetzlichen Regelungen entspricht, sich am Entwicklungsstand der Pflegewissenschaft orientiert und Grundlagen diakonischen Handelns vermittelt.
• Wir bieten den Schülerinnen und Schülern an, das Evangelium kennen zu lernen und als persönliche Lebensgrundlage zu erfahren und anzunehmen.
• Wir begleiten die Schülerinnen und Schüler in ihrem Ausbildungsprozess durch individuelle Förderung in Theorie und Praxis und durch gezielte Anleitung.
• Wir legen Wert auf eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Schule und Pflegedienst.
• Wir fördern die beruflichen Fähigkeiten der Pflegenden durch interne und externe Fortbildung und geben Raum für individuelle Begabungen.
• Wir aktualisieren unser Fachwissen, sind aufgeschlossen für neue Pflegemethoden und bereit, sie in die Praxis umzusetzen.


4. Unser Dienstverständnis

Innerhalb unseres Dienstes sehen wir uns als Christen in die Gemeinschaft aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestellt. Das bedeutet:

• Wir fördern in ökumenischer Offenheit die Verkündigung von Gottes Wort und den Dienst der Seelsorge.
• Wir fühlen uns für eine Arbeitsatmosphäre verantwortlich, die von Achtung, Rücksicht, Geduld und Wertschätzung geprägt ist.
• Wir sehen Führen als verantwortungsvolle Aufgabe an.
• Wir sorgen für gute Information, Kommunikation und Zusammenarbeit untereinander, mit anderen Berufsgruppen und Institutionen.
• Wir beachten im Arbeitsablauf die fachlichen Kompetenzzuordnungen.
• Wir setzen unsere Arbeitszeit und Arbeitskraft sinnvoll und verantwortungsbewusst ein.
• Wir nehmen Bedürfnisse und Belastungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst.
• Wir nehmen in Konfliktsituationen Hilfe von vermittelnden Personen an.
• Wir sorgen für einen bedarfsgerechten Einsatz der Arbeitsmittel und berücksichtigen die ökologischen Gesichtspunkte und Folgewirkungen.


In der Umsetzung unseres Pflege- und Dienstverständnisses sind wir einander Vorbild und Orientierung sowohl innerhalb der Schwesternschaft als auch in der Dienstgemeinschaft.

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